Hochwasserschutz durch Flutpolder
Flutpolder: was ist das eigentlich?
Das sind Flutpolder:
Polder sind eingedeichte Gebiete. Die Deiche schützen z.B. Siedlungen und Verkehrswege vor Hochwasser.
Flutpolder sind Rückhalteräume, die gezielt geflutet werden, um den Wasserstand im Fluss bei Hochwasser absenken zu können. In der Regel handelt es sich um einst natürliche Rückhalteräume, die nun wieder künstlich geflutet werden sollen.
Das bringt ein Flutpolder:
Flutpolder bewirken Wasserspiegelabsenkungen im Dezimeterbereich. Durch gezieltes Fluten soll die Wirkung von Flutpoldern optimiert werden, d.h. das zur Verfügung stehende Volumen soll zu einer maximalen Wasserstandsabsenkung ausgenutzt werden. Hierzu ist die Kenntnis über den genauen Verlauf der Hochwasserwelle notwendig.
Anhand des Deichbruches bei Neustadt beim Pfingsthochwasser 1999 lässt sich die Wirkung eines Flutpolders gut erkennen. Die Wasserspiegelabsenkung in der Donau betrug damals 25 cm.
Wirkung von Rückhalteräumen
Die Wirkung von Ausleitungen, die etwa beim höchsten Hochwasserabfluss vorgenommen werden, hat das Bayerische Landesamt für Wasserwirtschaft am Beispiel der Ausleitung an der Staustufe Bertoldsheim näher untersucht. Während des Augusthochwassers 2002 wurden hier rd. 50 Millionen m³ aus der Donau ausgeleitet, die im Talraum zurückgehalten wurden.
In der Stadt Ingolstadt führte dies zu einem höchsten Pegelstand von nur 6,20 m. Ohne diese Ausleitung wäre das Wasser um 54 cm höher gestiegen. Alle Ausleitungen im Oberlauf haben dazu beigetragen, dass das Kloster Weltenburg diesmal vor größeren Schäden bewahrt wurde. Aber auch alle Städte und Gemeinden im weiteren Verlauf der Donau, bis hinunter nach Passau, profitierten von diesen Rückhaltemaßnahmen.
Warum brauchen wir Flutpolder?
In den letzten zwei Jahrhunderten wurde der Lauf der Donau gestreckt und die Aue durch Bedeichung abgeschnitten. Bis heute sind im Neustädter Becken 81% der Aueflächen verloren gegangen.
Der Aueverlust im Neustädter Becken seit 1826
Lageplan des Aueverlustes im Neustädter Becken seit 1826
Nachdem der Zustand von 1800 wegen der zwischenzeitlichen Besiedelung des Talraumes nicht wieder hergestellt werden kann, ist nach Flächen gesucht worden, die entweder aus naturschutzfachlicher Sicht freigehalten oder die landwirtschaftlich genutzt werden. Dieser Flächenanteil ist allerdings sehr gering, gemessen an der Auenlandschaft um 1800. Daher müssen die potentiellen Rückhalteräume möglichst effizient genutzt werden. Dies ist nur mit einem gesteuerten Flutpolder möglich.
Auch die Belastung für die Landwirtschaft muss so gering wie möglich gehalten werden. Auch hier ist der gesteuerte Flutpolder die erste Wahl: die Flutungen beschränken sich auf seltene Hochwässer.
